Kizomba - Kizomba - Die Homepage aus Leidenschaft!

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Kizomba

Kizomba Entstehung und Geschichte

Als 1483 der portugiesische Seefahrer Diogo Cão an der westafrikanischen Küste landete, brachten er und meine Vorfahren nicht nur Leid und Elend über dieses Land, sondern auch die europäische Kultur, die den Eingeborenen bis dahin unbekannt war. Zum Beispiel den Paar-Tanz. Im Laufe der nächsten 5 Jahrhunderten floss immer mehr kulturelles der Portugiesen in den Tanz und die Musik. Auf der einen Seite bewahrten die Eingeborenen ihre Traditionen, auf der anderen Seite verwendeten sie auch "Dinge" die sie bei uns, den Portugiesen, sahen und hörten. Viele Semba Lieder erinnern mich selbst an traditionelle portugiesische Musik. Es ist eine starke Vermischung zweier Kulturen, die manchmal fließend ineinander über geht.
Traditionell angolanisch-afrikanisch sind zum Beispiel die Regentänze des Rebita. Das, was ich bisher an Rebita gesehen habe, und delber auch mal mittanzen durfte, ist kein wirklicher Paartanz. Sondern eher ein Gruppentanz. Das Dorf in Afrika tanzt als Gruppe gemeinsam für den Regen, oder eine gute Ernte. Aus dem Messemba entstand das Semba, was wiederum ein Paartanz ist.
Bis 1975 gab es das Kizomba so wie wir es kennen nicht, sondern das Wort bedeutete "Feiern" auf Kimbundu. Bei Wikipedia steht auch Spiel und Unterhaltung etc. Aber diese Info ist mit Vorsicht zu genießen. Im Sprachgebrauch sind es Ausnahmen. In Angola ist es kein Kizomba, wenn man bei einem Fernseh-Krimi gut UNTERHALTEN wird. Oder wenn Angolaner Fußball SPIELEN. Oder Mensch ärgere dich nicht. Kizomba wird es erst, wenn die Mannschaft gewonnen hat. Dann kommt die Feier! Dann FEIERT man und wird dabei gut UNTERHALTEN und auf der Tanzfläche SPIELT man ausgelassen mit dem Tanzpartner zur Musik.

Doch zunächst zurück zum Elend. Um zu verstehen, warum am Kizomba das Blut und die Tränen der Angolaner klebt einige Zahlen.
Von offiziellen Seiten in Portugal recherchiert: 
ca. 10 Millionen Afrikaner wurden von den Portugiesen als Sklaven gefangen genommen und verschifft. Davon starben schätzungsweise 1,5 Millionen bei der Überfahrt. Wieviele bei der Jagd selbst, und den dadurch entstandenen erbitterten Kämpfen getötet wurden ist unbekannt. Jedes Volk geht anders mit Leid um. Dieses Volk hat den Tanz, um das zu verarbeiten, um auch Freude zu spüren. Zu vergessen für einen Moment. Deshalb ist es in meinen Augen ein kulturelles Verbrechen, was die westliche Tanzszene daraus gemacht hat. Es ist schwer für mich, das zu akzeptieren, geschweige das zu respektieren, denn es ist respektlos.
Rebita, ein Tanz der beim Kizomba, also Feiern auf Kimbundu, in Angola schon vor 1980 getanzt wurde:
Aber Kizomba ist auch Cabo Verde (Kapverdischen Inseln) und alle anderen PALOP-Staaten.
Parallel zu den dramatischen Ereignissen in Angola, dürfen wir die Kreolen aus den Kapverdischen Inseln nicht vergessen. Sie sind entscheidend an dem heutigen, modernen Kizomba beteiligt. Sie sind noch heute portugiesisches Staatsgebiet, ähnlich wie Madeira.
Sie tanzten das Zouk Love, eine Form des karibischen Zouk. Sie veränderten es und haben es, wie es sich gehört, umbenannt. In Cabo Love, denn es wurde zu einen eigenem Tanz, und sie respektierten die karibischen Traditionen. Deshalb gaben sie ihrem Tanz einen eigenen Namen. Neuen Tänzen wurde eigentlich immer ein eigener Name gegeben. Beim Kizomba wurde das nicht so gemacht, was leider zu Streit führt, verständlicher Weise. Aus diesem Cabo Love entstand unter dem Einfluss westlicher Musik (Portugal) das Ghetto Zouk. Als es elektronischer und "härter" wurde, wurde es Urban. Aber anstatt es Urban Ghetto Zouk zu nennen, nannte man es aus Unwissenheit Urban Kizomba, später nach massiven Protesten, UrbanKiz. Das Hauptproblem an der ganzen Geschichte ist, dass viele gute Leute zu Stars im sog. Kizomba erhoben wurden, obwohl sie vom eigentlichen Kizomba teilweise keine Ahnung, teilveise keine Ausbildung oder teilweise keinen Respekt vor Kulturen anderer Völker haben.
Cabo Love (Zouk-Kizomba) aus den Kapverdischen Inseln.

Ab 1975 wurde die Lage in Angola durch die Bürgerkriege dramatisch. Cubanische und südafrikanische Armeen lieferten sich blutige Kämpfe in Angola. (Für mehr Infos bitte auf Angola klicken). Als "Assimilados" hatten seid 1951 Angolaner einen Status, der dem eines portugiesischem Staatsbürgers fast gleich kam. Portugal erklärte damals die Kolonien als Portugiesische Provinz innerhalb des portugiesischem Staatsgebiet. Dass heisst, Angolaner waren somit auch Portugiesen. Viele nutzten diesen Umstand und flüchteten in das Land, das sie einst gejagt, ermordet, versklavt und ausgebeutet hat, um dort Schutz zu suchen. Nach Portugal.
Dort war die westliche Zivilisation nach präsenter. Sie stürtzen sich ins Lissaboner Nachtleben, weil sie KIZOMBA wollten, also feiern.
Dazu nun eine ganz wichtige Information, die für uns Europäer kaum nachvollziehbar ist, weil wir anders "programmiert" sind von seitens unser Kultur.
Wir haben, durch unsere christliche Prägung, sogar Feiertage wo Tanzverbot herrscht. Das wäre für die Angolaner absolut undenkbar, so wie für euch folgende Vorstellung:
Die Angolaner haben ZU JEDER Gelegenheit gefeiert, also Kizomba (=Feiern im Kimbundu). 
Zu Hochzeiten, zu Geburten, zu Beerdigungen, zu Kriegsbeginn, zu Kriegsende. Zu allen Gelegenheiten. Kizomba ist ihre Art den Schmerz zu verarbeiten. Kizomba ist ihr Weg die Freude zu zelebrieren. Bei allem was von starker emotionaler Bedeutung war. Ob Freude, ob Leid. Es wurde gemeinsam getanzt.
Man hört ja oft, "genieße jede Sekunde, als wäre es deine letzte". Wir tun uns schwer, dieser Weisheit im Alltag zu folgen. Die Angolaner beherrschen das allerdings perfekt. Sie sind Meister in genießen jeder Sekunde. Mit Kizomba. Auch wenn sie am liebsten weinen möchten.
Um nicht zu weinen, tanzen sie.
Und dann kommen Leute, aus anderen Ländern, und verspotten sie, in dem sie Ihre Kultur stehlen, sie verändern, und sie zu tiefst verletzen. Sie stehlen das Wort Kizomba, für einen anderen Tanz, und verhalten sich so, als hätten sie Kizomba erfunden, und missachten alles, was diese Menschen geschaffen haben. Alles was sie lieben.
Mich persönlich, 
ich bitte um Verzeihung, wiedert so etwas einfach nur an. Die verlogene Welt der Refugees-Welcom-Gesellschaft. Weiterhin werden Minderheiten bekämpft und beraubt. Im Grunde hat sich seit hunderten von Jahren nichts geändert. Die Menschen reden nur schöner. 
Zurück zum Thema.
Und dann passierte es. Angolaner, Kapverdianer, Portugiesen und weitere Volksgruppen der PALOP-Staaten trafen sich zum Tanz. Es entstand DAS Kizomba als Musik und Tanz.
(Franzosen waren nicht dabei, und auch keine Pinguine!).

Aber nun der Reihe nach, wie das mit diesem Wort, das Kizomba, wirklich war:
  • Eduardo Paim
    Angolaner. Flüchtete schon als Kind in das benachbarte Kongo, weil die Eltern wohl nicht Systemkonform waren. Die damalige Portugiesische Militärdiktatur wollten sie verhaften. Dort entwickelte er sein musikalischen Talent. Einflüsse waren eben nicht nur Musik aus Angola, seiner Heimat, sondern auch aus seinen kongolesischen Umfeld. Im Kongo spielten sie auch modernere (also westliche), Musik im Radio, als im portugiesischen Angola. Als sie 1974 nach Angola zurück kehren konnten, spielte er dort vor seinen Landsleuten seine Musik, die gefiel, aber dennoch für Verwirrung sorgte.
    In einem Interview wurde er dann gefragt, was das denn für Musik sei. Man warf ihm dabei vor, dass das nicht angolanisch sei, und nicht traditionell, den er verwendete moderne Instrumente so wie zum Beispiel eine Gitarre. Er war unter Druck und wollte sich nicht festlegen, er sagte: hei leute, diese Musik hat keinen Namen, ist nur Spaß und Unterhaltung. Und da seine Eltern Kimbundu-Sprechende Bantu's waren sagte er dann noch abwickend: Leute, das ist bloß nur Kizomba (Also spaß und feiern). Und obwohl er sich eigentlich heraus reden wollte, kreierte er den Namen seiner neuen Musik, denn von da an bezeichnete man seine Musik als Kizomba.
    In den PALOP-Staaten kennt man Eduardo Paim somit als den Vater des Kizomba's.
  • Das zweite entscheidende Ereignis basierte, so wie bei Eduardo Paim, durch ein kulturelles Missverständnis.
    Die nach Portugal geflohenen Angolaner, und es waren viele, feierten weiter in Lissabon. Portugiesen aus dem Festland, aus den Kap Verdischen Inseln und weiteren PALOP-Staaten kamen dazu. Die Angolaner sprachen immer von Kizomba. Sie sind Bantu. Sie feierten wie sie es im Kimbundu zum Ausdruck bringen. Die anderen Palop's aber waren nicht Kimbundu. Für sie war das eben Kizomba. Dieser Tanz und die Musik was die Angolaner da machten. Auf die Frage was die Angolaner da machen sagten sie Kizomba! Sie meinten ein Teil Ihrer Kultur. Kimbundu. Doch die anderen übernahmen einfach dieses Wort Kizomba, den sie waren ja keine Bantu, für das was die sahen und hörten. Und das war ein Tanz und eine Musik. Sie konnten nicht erkennen, was Kizomba wirklich bedeutet.
    Somit wurde der Begriff Feiern, sich unterhalten, spielerisch sein von NICHT-Bantus mit Tanz und Musik erweitert, und eine erweitertes, ein neues KIZOMBA entstand.
     
Als das entscheidende Jahr wird 1988 benannt, wo es förmlich zu einer Kizomba-Hysterie ausartete. Ende der 90er Jahre wurde auch mit Hilfe der Kreation von On-Stage-Kizomba, auch über Youtube, das Kizomba über die portugiesischen Grenzen hinaus getragen.
Was also ist Kizomba? Dazu habe ich unten eine Grafik erstellt.
Alles, was diese Grafik NICHT enthält, oder jeder Tanz, der nicht auf diese Grafik zurück zu führen ist, ist KEIN Kizomba. Denn Kizomba als Tanz und Musik ist das, was nach 1980 in Lissabon entstanden ist, als Angolaner, Kapverdianer, Portugiesen und weitere Palop-Afrokaner in Lissabon aufeinander trafen.
Oder eben die Grafik unten:



Genau genommen ist das heutige Kizomba weder angolanisch, noch kapverdisch, und schon gar nicht portugiesisch, sondern, wenn überhaupt." lissabonisch" nach 1980. :-). Deshalb ist Lissabon die Hauptstadt des Kizomba, und nicht Luanda oder sonst wo.
Natürlich sollte man niemals zu einem Angolaner sagen, Kizomba ist "Lissabonisch". Offiziell ist Kizomba Angolanisch und Basta. Das Wort ist angolanisch. Sie bilden in Portugal eine sehr große Gemeinschaft. Die zweitgrößte nach den Portugiesen. Sie haben den Hauptanteil am heutigen Kizomba aus Lissabon. Die Grafik oben geht einfach genauer ins Detail, ohne sich in eine Diskussion mit Angolanern darüber aufdrängen zu wollen. Die Rolle der Kapverden beim Kizomba ist aber auch bei den Angolanern unbestritten. Und mittlerweile sind auch unter den weißen Portugiesen tolle Tänzer und Lehrer hervor gegangen. Um Kizomba zu lernen, sollte man sich an diesen portugiesisch sprechenden Volksgruppen orientieren. Oder an Lehrer, die selbst sich an diese Volksgruppen orientiert haben, was Kizomba betrifft, um es weiter zu geben.
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü